Ein Rekord jagt den nächsten

Baupreise, Häuserpreise, Baulandpreise: Jeden Monat meldet das Statistische Bundesamt einen neuen Rekord.

Von Jochem Kierig

Der Anstieg der Baupreise bildet den neuesten Rekord. 12,6 % gegenüber dem Vorjahr. Das ist der höchste Anstieg der Baupreise seit über einem halben Jahrhundert. Zwar erklärt sich dieser starke Anstieg durch die Mehrwertsteuersenkung im letzten Jahr. Aber nur zum Teil. Auf den Anstieg der Baupreise wirkten sich vor allem die stark gestiegenen Materialpreise aus. Ohne die Mehrwertsteuersenkung hätte der Preisanstieg rein rechnerisch immer noch 9,7 % betragen.

Vor einem Monat – im September – meldete das Statistische Bundesamt, dass die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland im 2. Quartal 2021 um durchschnittlich 10,9 % gegenüber dem Vorjahresquartal gestiegen seien. Dies sei der größte Preisanstieg bei den Wohnimmobilientransaktionen seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2000. 

Im August meldete das Statistische Bundesamt, dass Bauland in Deutschland noch nie so teuer war wie im Jahr 2020. (Siehe hierzu meinen kritischen Beitrag „Neuer Rekordwert für baureifes Land! Was sagt uns das?„.)

Hinzu kommt der starke Anstieg der Verbraucherpreise. Befeuert durch die CO2-Bepreisung ist die Inflation im September 2021 auf ein Rekordniveau von 4,1 % gestiegen.

Alles das spricht dafür, dass die Wohnimmobilienpreise nicht nur weiter steigen sondern sogar noch stärker steigen werden. Dies zeigen auch die aktuell veröffentlichten Immobilienpreisindizes, wie z.B. der Europace Hauspreis-Index (EPX). Im August meldete Europace, dass die Preise für bestehende Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorjahr um 16,85 % gestiegen seien, wobei die Preiskurve immer steiler wird. In Kürze erscheinen die aktuellen Indizes aus dem Sprengnetter Immobilienmarktmonitoring. Auch diese erreichen 2021 Rekordniveau.

Inwieweit die anziehenden Baupreise die Preisentwicklung der Bestandsimmobilien weiter anheizen wird, bleibt abzuwarten. Ich gehe davon aus, dass sich der Baupreisanstieg in den Metropolen weniger stark auswirken wird als in den ländlichen Regionen. Dies liegt zum Einen daran, dass der relative Gebäudeanteil am Gesamtwert der Immobilie in den Städten geringer ist als auf dem Land. Zum Anderen sind in den großen Städten die Wohnimmobilienmärkte schon seit geraumer Zeit überhitzt. Hier besteht kaum noch „Luft nach oben“. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass die Baupreissteigerungen in den Metropolen eins zu eins auf die Preisentwicklungen der Wohnimmobilien durchschlagen.

In den ländlichen Regionen ist das natürlich anders. Hier spielt der Bodenwert für den Wert des bebauten Grundstücks eine eher untergeordnete Rolle. Steigende Baupreise können sich hier entsprechend stark auf die Preise von Wohnimmobilien auswirken. Andererseits liegen hier die Marktwerte bebauter Grundstücke oft unter den Substanzwerten (Sachwertfaktoren sind hier oft kleiner 1). Dies bedeutet, dass sich Baupreissteigerungen nur gedämpft auf den Gesamtwert von Bestandsimmobilien auswirken können.

Daraus folgt, dass sich die Baupreissteigerungen am stärksten in mittelgroßen Städten und im Umland der großen Städte auf die Wohnimmobilienpreisentwicklungen auswirken könnten.

Es ist auf jeden Fall abzusehen, dass die Wohnimmobilienpreise weiter steigen werden. Besonders hohe Anstiege sind im Umland der großen Städte zu erwarten.

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