Deutsche Küstenregionen sind Gewinner der Corona-Krise

Seit Beginn der Corona-Krise haben Wohnimmobilien in deutschen Küstenregionen stark an Wert gewonnen, wie das aktuelle Sprengnetter Immobilienmarkt-Monitoring zeigt. Auch eine Analyse der Wertentwicklungen in deutschen Großstädten und deren Umland fällt überraschend aus.

Von Constantin Poretschkin und Jochem Kierig

Stärkste Preisentwicklung seit der Wiedervereinigung

Das aktuelle Sprengnetter-Immobilienmarkt-Monitoring ergibt, dass bei Wohnimmobilien der befürchtete Wertverfall während der Corona-Krise ausgeblieben ist. Im Gegenteil – mit einem bundesdurchschnittlichen Wachstum von +8,7 % wurde die höchste Entwicklung seit der Wiedervereinigung Deutschlands gemessen.

Überdurchschnittlich starker Anstieg in den Ferienregionen

Dabei zeigt sich, dass Immobilien in Ferienregionen entlang der deutschen Ost- und Nordseeküsten während der Corona-Krise überdurchschnittlich an Wert zugenommen haben. Insbesondere entlang der Nordseeküste werden im Marktsegment der Einfamilienhäuser mit +11,0 % auf dem Festland und +13,6 % auf den Inseln Wertsteigerungen beobachtet, die sonst nur im Berliner Großraum (+11,9 %) oder im Raum Frankfurt a.M. (+13,1 %) ermittelt werden.
Im Segment der Eigentumswohnungen wurden an der Nordseeküste Preissteigerungen von +11,8 % ermittelt, während an der Ostseeküste die Werte um +9,7 % zunahmen. Damit liegen auch in diesem Segment die Preisanstiege zumindest an der Nordseeküste auf demselben Niveau wie die Zuwächse im Großraum Berlin (+11,7 %) oder Großraum Frankfurt a.M. (+11,4 %).

Während Urlaub in Deutschland in Zeiten der Corona-Krise aufgrund von Reisebeschränkungen an Attraktivität gewonnen hatte, so könnten auch perspektivisch steigende Preise im Flugverkehr für weitere Wertsteigerungen von Wohnraum in Tourismusregionen sorgen.

Ungebremster Anstieg in den großen Städten – Umland schließt auf

Weiterhin widerlegt die Sprengnetter Marktbeobachtung die Vermutung, dass hohe Immobilienpreise in den Städten die dortige Preisentwicklung verlangsamt und die Möglichkeiten von remote-work die Nachfrage und die Preise im Umland stärker als in der Stadt steigen lässt. In den zehn einwohnerstärksten deutschen Großstädten stiegen die Preise für Einfamilienhäuser durchschnittlich um +10,1 % (Vorjahr +7,5 %), während im Umland dieser Städte eine Wertentwicklung von +9,5 % (Vorjahr +6,8 %) beobachtet wurde. Im Markt der Eigentumswohnungen lag die durchschnittliche Preisentwicklung in Großstädten bei +10,8 % (Vorjahr: 9,4 %). In der direkten Umgebung der größten Großstädte stiegen die Werte um +9,4 % (Vorjahr +7,8 %).

Im Detail steigen beispielsweise die Werte für Eigentumswohnungen in München selbst um +9 %, während sich die Preise im Umland um +8,2 % nur auf ähnlichem Niveau entwickeln. Gleiches gilt für Hamburg (+11,8 % gegenüber +8,4 % im Umland), Frankfurt a.M. (+12 % gegenüber 11,3 % im Umland) oder Leipzig (+13 % gegenüber +9,5 % im Umland). In den zehn größten Großstädten steigen nur in Köln und Berlin die Preise für Eigentumswohnungen im Umland leicht stärker als im Stadtgebiet selbst.

Im Teilmarkt der Einfamilienhäuser fielen die Unterschiede teilweise noch stärker aus. Beispielsweise stiegen Werte für Einfamilienhäuser im Stuttgarter Stadtgebiet um +12 %, während die Preise im Umland nur +7,4 % zulegten. In der Bayrischen Landeshauptstadt stiegen die Werte von Einfamilienhäusern im Stadtgebiet mit +8,7 % sogar doppelt so stark wie im Umland (+3,8 %).

Übersicht:

ETWEFH
Bundesdurchschnitt+ 8,7 %(Vj. + 7,6 %)+ 8,8 % (Vj. + 6,5 %)
Top10 Großstädte+ 10,8 % (Vj. + 9,4 %) + 10,1 % (Vj. + 7,5 %)
Umland d. Top10 Großstädte + 9,4 % (Vj. + 7,8 %) + 9,5 % (Vj. + 6,8 %)
Küstenregionen (Nord- und Ostsee)+ 10,5 % (Vj. + 5,7 %) + 10,6 % (Vj. + 8,3 %)

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